45 Jahre Lebenshilfe-Werkstätte Freistadt
In 45 Jahren hat sich die Werkstätte Freistadt der Lebenshilfe Oberösterreich von einer kleinen Pionierinitiative zu einem modernen, vielfältigen und regional gut vernetzten Standort entwickelt. Vieles hat sich getan: neue Arbeitsangebote, gewachsene Teilhabechancen, erfolgreiche Projekte – bis hin zu sportlichen Höchstleistungen mit Strahlkraft weit über die Region hinaus. Damit die Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung auch weiterhin bestmöglich unterstützt werden können und ihre Teilhabe in der Gesellschaft weiter ausgebaut werden kann, freut sich die Lebenshilfe-Werkstätte über weitere Kooperationspartner.
Was heute eine moderne, vielfältige und regional gut vernetzte Werkstätte der Lebenshilfe OÖ in Freistadt ist, begann vor 45 Jahren mit dem Engagement von Regina Thalmann. Sie erkannte, dass Familien von Menschen mit Beeinträchtigung dringend Unterstützung brauchten und dass es dafür in Freistadt keine Angebote gab. Thalmann fuhr zu den Familien nach Hause, stellte ihnen die Idee der Einrichtung vor, baute Schritt für Schritt Vertrauen auf und kämpfte auch bei der Politik um Unterstützung.
„Dass die Lebenshilfe-Werkstätte in Freistadt entstanden ist, verdanken wir vor allem ihrem Einsatz“, weiß Wilhelm Hießl, Obmann der Arbeitsgruppe Freistadt/Unterweißenbach der Lebenshilfe OÖ. Dieses frühe Engagement der Angehörigen prägt die Lebenshilfe Oberösterreich bis heute. Thalmann gründete 1977 die Arbeitsgruppe, die nach wie vor ein wichtiger ehrenamtlicher Motor ist. Von 1995 bis 2019 führte Inge Waldschütz die Arbeitsgruppe.
Ehrenamt als wichtiger Pfeiler
Der langjährige Obmann Hießl freut sich über das gute Miteinander der Arbeitsgruppenmitglieder und der jährlichen Fixpunkte, wie etwa das Palmbuschenbinden, den Keksverkauf, Weihnachtsmarkt oder die Mühlviertler Wiesn. Höhepunkt ist das neu eingeführte Tanzkränzchen im Frühjahr, das Beschäftigte, Angehörige, Mitarbeiter:innen und Unterstützer:innen zusammenbringt: „Dieses Gemeinschaftsgefühl ist das Schöne – und der Grund, warum ich mich engagiere.“
Die erste Werkstätte war rasch zu klein – der Bedarf in der Region wuchs stetig. Es folgten Ausweichstandorte und Übergangslösungen, bis 2009 die neu errichtete Werkstätte eröffnete und wieder alle Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die dort beschäftigt waren, unter einem Dach Platz fanden. Mittlerweile gehören zur Werkstätte neben dem Hauptstandort zwei weitere Standorte, die den aktuell 63 Beschäftigten ein breites Arbeits- und Beschäftigungsangebot bieten.
Sinnerfülltes Arbeitsleben
Während die Zeit für die Menschen mit Beeinträchtigung in der Werkstätte zu Beginn vor allem eine Entlastung für die Familien bedeutete, hat sich der Fokus über die Jahre deutlich verändert. Mittlerweile geht es um ein sinnerfülltes Arbeitsleben und Teilhabe in der Gesellschaft. Beschäftigte übernehmen vielfältige Auftragsarbeiten von Kooperationspartnern wie für die Firmen Haberkorn, Wurmkiste.at, den Braugasthof oder die Pfadfinder und diverse Schulen und sind im Rahmen der Integrativen Beschäftigung auch direkt in Betrieben der Region, wie etwa bei der Brauerei oder im Reiterhof Kern, tätig.
„Menschen mit Beeinträchtigung wollen arbeiten, leisten und Teil einer Gemeinschaft sein. Ich versuche gemeinsam mit meinem 26-köpfigen Team immer das zu ermöglichen, was die Beschäftigten aktuell brauchen – vom richtigen Arbeitsangebot bis zur zunehmenden pflegerischen Begleitung im Alter“, sagt Werkstättenleiterin Daniela Wurzinger. Die Beschäftigten werden älter – drei sind seit Beginn an dabei – und benötigen zusätzliche Unterstützung, gleichzeitig gehen andere in Pension und Jüngere kommen nach, für die es wiederum ein anderes Angebot bedarf.
Ein besonderes Highlight der vergangenen Jahre ist das mehrfach preisgekrönte Boccia-Team der Werkstätte Freistadt. Die Sportler:innen sind ein Beispiel dafür, „was alles möglich ist, wenn Menschen mit Beeinträchtigung richtig gefordert und gefördert werden“. Zuletzt konnte dank finanzieller Unterstützung von Spender:innen und dem Engagement der Arbeitsgruppe eine Boccia-Bahn im Garten der Werkstätte gebaut werden. Damit haben die Sporter:innen nun perfekte Trainingsmöglichkeiten vor Ort. Die Sportler:innen trainieren bereits für die Special Olympics Sommerspiele 2026.
Blick in die Zukunft
Für die kommenden Jahre möchte sich die Lebenshilfe-Werkstätte noch stärker in der Region vernetzen. Kooperationen mit Firmen, Vereinen und Organisationen sollen weiter ausgebaut werden, um die Menschen mit Beeinträchtigung neue Arbeits- und Teilhabemöglichkeiten zu eröffnen und noch sichtbarer zu machen. „Wer Interesse hat, mit uns zu kooperieren, ist jederzeit herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden.“ Kontakt: Daniela Wurzinger, Tel.: 07942 20804 oder E-Mail: ws-freistadt@ooe.lebenshilfe.org.
45 Jahre Lebenshilfe-Werkstätte Freistadt
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Bild 1: Regina Thalmann legte vor 45 Jahren mit ihrem persönlichen Engagement den Grundstein für die Lebenshilfe-Werkstätte Freistadt – im Hintergrund Wilhelm Hießl, aktueller Arbeitsgruppen-Obmann Freistadt/Unterweißenbach der Lebenshilfe OÖ
Bild 2: Arbeitsgruppenobmann Wilhelm Hießl (links) und Lebenshilfe-Werkstättenleiterin Daniela Wurzinger (Mitte) überreichen kleine Präsente anlässlich des 45-jährigen Jubiläums
27.11.2025