Lebenshilfe Oberösterreich nimmt Abschied von Art Brut Künstler Josef Hofer

Josef Hofer ist am Freitag, dem 23. Oktober 2026, im Alter von 81 Jahren in Ried i. I., verstorben. Der international geschätzte Art Brut Künstler lebte seit 1992 im Wohnhaus der Lebenshilfe Oberösterreich in Ried im Innkreis. Seine Zeichnungen fanden von Ried aus den Weg in Museen und Galerien in Europa, Amerika und Asien. Im Wohnhaus trauern Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen um einen beliebten Mitbewohner.

Josef Hofer wuchs auf einem kleinen Bauernhof im Mühlviertel auf. Nach mehreren unbehandelten Mittelohrentzündungen verlor er früh sein Gehör, er sprach nicht und besuchte keine Schule. Gezeichnet hat er schon als Kind leidenschaftlich gern. Seit 1992 lebte er im Wohnhaus der Lebenshilfe Oberösterreich in Ried im Innkreis, wo er ab 1997 regelmäßig die Malgruppe der Kunsthistorikerin Dr. phil. Elisabeth Telsnig besuchte. Seine Arbeiten signierte er mit „Pepi“, so wurde er auch gerufen.

Vom Wohnhaus in die Museen der Welt

„Seine Zeichnungen waren einfach anders“, erinnerte sich Telsnig anlässlich seines 80. Geburtstags im Vorjahr an die erste Begegnung. Anfangs brachte Hofer Alltagsgegenstände, Kleidung und landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Blei- und Farbstiften zu Papier, später wurde der große Spiegel in seinem Zimmer zur Inspirationsquelle für hunderte Arbeiten über den eigenen Körper. 2003 zeigte die Collection de l’Art Brut in Lausanne die erste große Einzelausstellung, Ausstellungen in Brüssel, Paris, München, Berlin, New York, São Paulo und Japan folgten. Seit 2005 vertritt Monika Perzl mit ihrer Galerie am Stein Josef Hofer exklusiv in Österreich. Zu seinen frühen Sammlern zählte der Künstler Arnulf Rainer. „Auf der Suche nach Art Brut Künstlern bin ich in das Lebenshilfe-Wohnhaus Ried im Innkreis gefahren. Dort habe ich sofort sein Talent erkannt. Für mich ist Josef Hofer der auffälligste Künstler unter den Art Brut Künstlern im deutschsprachigen Raum“, sagte Rainer über ihn.

Eine große Lücke im Wohnhaus

Im Alltag kannten ihn die Menschen in Ried im Innkreis nicht als internationalen Künstler, sondern als vertrauten Mitbewohner. „Josef Hofer war bei uns im Wohnhaus sehr beliebt. Es entsteht eine große Lücke“, sagt Marcel Bernard, stellvertretender Leiter des Wohnhauses. Im Wohnhaus wird in diesen Tagen gemeinsam Abschied genommen.

Sein Werk bleibt sichtbar. Die Galerie christian berst art brut in Paris, die seinen Nachlass betreut, widmete ihm heuer im Herbst eine Einzelausstellung, dazu erschienen eine zweisprachige Monografie und das online-Gesamt-Werkverzeichnis mit rund 2.300 Arbeiten. Werke von Josef Hofer sind unter anderem in den Sammlungen des Centre Pompidou in Paris und der Collection de l’Art Brut in Lausanne vertreten.

Lebenshilfe Oberösterreich nimmt Abschied von Art Brut Künstler Josef Hofer

Art Brut Künstler Josef Hofer während einer seiner Ausstellungen in New York.

29.10.2026