„Nichts über uns ohne uns“: Menschen mit Beeinträchtigung bestimmen mit

Bei der Lebenshilfe Oberösterreich vertreten gewählte Interessenvertreter:innen die Anliegen ihrer Kolleg:innen. Andrea Gahleitner und Andre Kleniewski sind die neu gewählten Regionalsprecher:innen in der Region Linz. Sie setzen sich für mehr Mitbestimmung und Inklusion ein und sprechen für mehr als 400 Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die in den Bezirken Linz und Linz Land von der Lebenshilfe Oberösterreich begleitet werden. 

Wer könnte besser wissen, was Menschen mit Beeinträchtigung brauchen und was ihnen wichtig ist, als sie selbst? Bei der Lebenshilfe Oberösterreich ist deshalb Mitbestimmung ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens. In den Wohnhäusern und Werkstätten wählen Menschen mit Beeinträchtigung im Vier-Jahres-Rhythmus ihre Interessenvertreter:innen. Diese bringen Wünsche, Anliegen und auch Beschwerden ihrer Kolleg:innen ein und gestalten damit das Leben in den Einrichtungen aktiv mit.

„Menschen mit Beeinträchtigung sollen nicht nur von Entscheidungen betroffen sein, sondern diese Entscheidungen auch mitgestalten können. Ihre Perspektiven sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Angebote und Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln“, sagt Mag. Gerhard Scheinast, Geschäftsführer der Lebenshilfe Oberösterreich.

Von der Werkstätte bis zur Landesebene

Die Interessenvertretung ist mehrstufig aufgebaut. Aus den Haussprecher:innen werden Regionalsprecher:innen und in weiterer Folge zwei Gesamtsprecher:innen gewählt. Sie vertreten die Interessen der begleiteten Menschen auch in den Gremien der Lebenshilfe Oberösterreich und der Lebenshilfe Österreich. Damit endet die Mitsprache nicht an der Tür der eigenen Werkstätte oder des eigenen Wohnhauses. 

In den Bezirken Linz und Linz Land haben die Haussprecher:innen der Wohnhäuser und Werkstätten der Lebenshilfe Oberösterreich Andrea Gahleitner und Andre Kleniewski zu ihren Regionalsprecher:innen gewählt. Die 44-jährige Andrea Gahleitner ist bereits seit vielen Jahren Haussprecherin in der Werkstätte St. Florian. Sie wohnt in Kematen an der Krems, arbeitet im Rahmen der Integrativen Beschäftigung im FlorianerLaden und schätzt eine gute Zusammenarbeit. „Meine Kolleg:innen können sich bei Problemen und Wünschen an mich wenden und wir finden eine Lösung“, sagt sie.

Andre Kleniewski ist Beschäftigter der Werkstätte Linz 1 und arbeitet im Rahmen der Integrativen Beschäftigung sowohl bei IKEA Haid als auch bei einer Grünanlagenpflege in Ottensheim. Der 47-jährige Linzer ist seit März Haussprecher und wurde erstmals zum Regionalsprecher gewählt. Auch er stellt sich mit Begeisterung als Ansprechpartner für Wünsche und als Problemlöser seiner Kolleg:innen zur Verfügung. Beide freuen sich darauf, Verantwortung innerhalb der Lebenshilfe Oberösterreich zu übernehmen und die Organisation mitzugestalten.

Unterstützt werden die gewählten Regionalsprecher:innen von Mitarbeiter:innen der Lebenshilfe. Sie helfen dabei, Anliegen aufzubereiten, Informationen verständlich zugänglich zu machen und begleiten die Interessenvertreter:innen bei ihrer Arbeit. 

Mitreden, mitgestalten, etwas bewegen

Bei regelmäßigen regionalen und überregionalen Treffen tauschen sich die Interessenvertreter:innen aus, diskutieren aktuelle Entwicklungen und bringen gemeinsame Anliegen ein. Martina Voraberger-Schmidt organisiert als Fachberatung Interessen-Vertretung, die Regionaltreffen der Interessenvertreter:innen und stellt den Informationsfluss zur Geschäftsführung sicher. Die Entscheidungen treffen und ihre Anliegen vertreten sollen jedoch die Menschen mit Beeinträchtigung selbst. Einmal jährlich findet zudem ein Vernetzungstreffen aller Interessenvertreter:innen statt. Zusätzlich vertritt eine Interessenvertreterin die Lebenshilfe Oberösterreich im Interessenvertreter-Beirat des Landes Oberösterreich. 

„Nichts über uns ohne uns“ lautet dabei das gemeinsame Credo. Denn Inklusion bedeutet nicht nur, Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung zu schaffen. Sie bedeutet auch, Entscheidungen gemeinsam mit ihnen zu treffen – und ihnen dort Verantwortung zu übertragen, wo es um ihr eigenes Leben geht.

15.10.2026